Ein ganz gewöhnlicher Ring

Sie hatte den Ring nun schon seit ein paar Jahren in einer kleinen Schatulle in ihrer Schublade. Gelegentlich warf sie einen Blick darauf, bewunderte, wie er im Licht funkelte, aber sie hielt ihn nie für etwas Besonderes. Er war schön, gewiss – aber für Melissa war er nur ein hübsches Geschenk von jemandem, der nicht mehr in ihrem Leben war.
Melissa dachte nie viel darüber nach. Der Ring war mit keinen besonderen Erinnerungen verbunden, keine romantische Geschichte, die es wert wäre, erzählt zu werden. Er war einfach ein Überbleibsel einer vergangenen Beziehung, die sie loslassen wollte. Doch wusste sie nicht, dass in dem Moment, als sie diesen Juwelierladen betrat, alles, was sie über diesen Ring glaubte, für immer anders sein würde.
Geräusche hinter der Tür

Das Geschäft war still, abgesehen vom leisen Summen eines Deckenventilators und dem gelegentlichen Knarren der alten Holzdielen. Melissa stand nahe der Theke und blickte sich um zu den Vitrinen, die mit schimmernden Steinen gefüllt waren. Hinter einer geschlossenen Tür konnte sie hören, wie Schubladen geöffnet wurden und Papiere raschelten. Herr Harris, der Juwelier, suchte offensichtlich etwas.
Sie schnappte einzelne Fetzen gedämpfter Sprache auf, ein leises Murmeln, das niemandem zugedacht zu sein schien. Es klang, als würde er Selbstgespräche führen, obwohl sie keine Worte verstehen konnte. Melissa nahm an, dass dies einfach zu seiner Routine gehörte – vielleicht murmelte er immer, während er arbeitete. Dennoch war da etwas Seltsames an der Dringlichkeit seiner Bewegungen, das sie innehalten und genauer hinhören ließ.